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Jakobsweg Südtirol

Etappe 1: Winnebach - Welsberg

Gehzeiten:
Winnebach > Innichen: 1 ¾ Std.
Innichen > Toblach: 1 ¼ Std.
Toblach > Welsberg: 2 ½ Std.

Weglänge: 25,1 km

Höhenunterschied:
Aufstieg: 371 m
Abstieg: 397 m



Gleich nach dem ersten Teilstück über die blühenden Wiesen von Winnebach und Vierschach erreichen wir einen, wenn nicht gar den Höhepunkt des Südtiroler Abschnittes des Jakobswegs.

Nicht nur in geographischer - denn abgesehen vom Brenner ist die Ebene zwischen Innichen und Toblach der höchste Punkt unseres Weges - sondern auch und vor allem in kultureller Hinsicht. Die Kirche des Benediktinerstiftes von Innichen - der italienische Name des Ortes, San Candido, weist auf einen ihrer beiden Patrone, den hl. Candidus, hin - gilt als der wichtigste romanische Kirchenbau Tirols (12.Jh., Umbau im 13. Jh.). Er geht auf eine Schenkung des Bajuwarenherzogs Tassilo III. im Jahre 769 an den Abt Otto von Scharnitz zurück, die verbunden war mit dem Auftrag zur Gründung eines Klosters, um hier an der Wasserscheide ein Bollwerk der christlichen Zivilisation gegen die aus dem Osten eindringenden heidnischen Slawen zu errichten. In dieser prächtigen romanischen Kirche bewundern wir die spätromanischen Kuppelfresken, die die Schöpfungsgeschichte darstellen, weiters die ebenfalls spätromanische Kreuzigungsgruppe im Chor, Ziel einer überregionalen Wallfahrt seit Jahrhunderten, die romanische Krypta mit der Skulptur des hl. Candidus, und schließlich am Südportal das gotische Fresko von Michael Pacher mit dem Stifter Otto II. zwischen den beiden Patronen des Klosters, Candidus und Corbinian.

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Einen weiteren Höhepunkt der besonderen Art hält das Plateau noch für uns bereit: Es ist die Quelle der Drau, der die Pilger, die von Slowenien aufgebrochen sind, schon seit etwa 300 Kilometern folgen. Hier können sie erstmals aus dem Fluss auch trinken!

Der Wanderweg am Waldrand bringt uns nach Toblach, im Mittelalter reich und bedeutend, weil sich hier zwei wichtige Handels- und Verkehrswege trafen. Die aus Venedig kommende Via Alemagna (sie führte nach Augsburg, der Stadt der Fugger) stieß hier auf die aus Aquileia kommende alte Römerstraße, den Weg, dem wir folgen. Den Reichtum des Ortes erkennen wir sowohl an der Ausstattung der prächtigen spätbarocken (1769) Pfarrkirche zum hl. Johannes als auch an den zahlreichen stattlichen und gut gepflegten Ansitzen, die heute noch das Ortsbild prägen. Der Bau der ersten innerösterreichischen Zugverbindung von Wien nach Innsbruck, der "Südbahn", welche durch das Pustertal verlief, brachte am Ende des 19. Jahrhunderts den Tourismus und damit auch den weiteren Wohlstand nach Toblach.

Ein Stück österreichischer Geschichte erwartet uns auf dem Weg nach Niederdorf, wir kommen nämlich unmittelbar am "Bad Maistatt" vorbei. Hier nahm schon Maximilian I., Kaiser von 1493-1519, seine Heilbäder, und hier verbrachte zu Beginn des 20. Jh. der Komponist Gustav Mahler seine Sommerfrische. (Es heißt, dass hier seine 9. Sinfonie entstand.) Für Reisende, Pilger und Kranke wurde in Niederdorf 1456 ein Spital gestiftet. Die dazu gehörende Spitalskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit besteht heute noch.

Bis Welsberg bekommen unsere Füße fast nur Asphalt zu spüren, aber wenigstens auf kaum befahrenen kleinen Straßen oder Güterwegen durch das hier weite und sonnige Pustertal. Welsberg ist Geburtsort von Paul Troger, der Schöpfer der berühmten Fresken des Brixner Doms. Die drei Altarbilder in der Pfarrkirche seines Heimatortes stammen von ihm. Die Fresken des gotischen "Bildstöckls" hinter der Kirche stammen hingegen vom zweiten großen Pustertaler Künstler, von Michael Pacher.

Detaillierte Informationen zu den Etappen 2 bis 6 finden Sie auf der Internetseite www.jakobsweg.it.

Quellenverzeichnis: Text entnommen aus der Broschüre "Jakobsweg Südtirol" (ein Interreg-Projekt des Bildungshauses Kloster Neustift in Zusammenarbeit mit den Bezirksgemeinschaften Pustertal, Eisacktal und Wipptal).

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