Im Pragser Tal erhielten sich vielleicht mehr als in anderen Talschaften der Alpen unverfälscht die uralen Bräuche bis in die Jetztzeit. Sie wurden vielfach umgewandelt und dem Zeitgeist angepasst, doch weder Religion noch Politik gelang es, sie gänzlich zu verändern oder untergehen zu lassen. Ein wesentlicher Bestandteil des Kulturgutes eines Volkes und der Gemeinschaft wurden Trachten und andere Verkleidungen.
Die Prozessionen
Es gibt viele Feierlichkeiten, wie z.B. das Fronleichnamsfest, Pfingsten, Herz-Jesu-Sonntag oder Maria Himmelfahrt in denen das Heiligste aus der Kirche geholt und auf den Feldern herumgetragen wird. Statuen, Bilder, Leuchter und Kerzen werden mitgetragen.
Der tiefe Ursprung der Prozessionen liegt in der Erflehung einer guten und reichlichen Ernte, der Verschonung vor Dürre, Gewittern oder anderen Naturgewalten.
Die Herz-Jesu-Feuer
Das Feuer bildet schon seit alters her einen grundlegenden Bestandteil vieler Bräuche. Typisch sind die Herz-Jesu-Feuer. Als französische Truppen das Land Tirol bedrohten, traten die Tiroler Landstände in Bozen zusammen, um Verteidigungsbollwerke aufzubauen. Später wurde vorgeschlagen das Land dem "Heiligsten Herzen Jesu" anzuvertrauen um so göttlichen Beistand zu erhalten. Die Landstände gelobten im Namen des Volkes, das Herz-Jesu-Fest jährlich feierlich zu begehen. Andreas Hofer erneuerte das Gelöbnis vor der Berg-Isel-Schlacht aufs Neue. Dabei siegten Hofers Truppen, was noch mehr dazu führte, den Herz-Jesu-Sonntag (2. Sonntag im Juni) zu einem hohen Tiroler Feiertag zu machen. Zeichen dafür sind heute noch die vielen Bergfeuer, die an diesem besonderen Sonntag entzündet werden.
Der Kirchtag-Michl
Dieses Fest hat ihre Wurzeln in alten Fruchtbarkeitsfesten. Im Spätherbst, wenn eine gute Ernte eingefahren war, wurde das dementsprechend gefeiert. Die Burschen des Dorfes suchen sich eine hohe schlanke Fichte aus und befestigen am äußeren Ende eine mit einer alten Tracht eingekleidete Strohpuppe. An einem Samstag im Oktober wird er aufrecht im Boden verankert. Steht der Baum, wird ausgiebig gefeiert. Eine eigene Wachmannschaft darf den Baum keine Sekunde aus den Augen lassen. Denn gelingt den Burschen der Nachbarsgemeinde diesen Michl zu stehlen, so bedeutet dies Hohn und Spott für das Dorf. Am Kirchtagsonntag wird der Baum unter Kirchengeläute wieder niedergebracht.
Die Teufel gehen um
Zu den typischen Bräuchen des Alpenraumes zählt das "Krampuslaufen". Die Ursprünge dieses Brauches sind in den alten Fruchtbarkeitsriten zu suchen. Der große Lärm, entfacht anhand schwerer Kuhglocken, Ketten und Schellen soll die Winterstürme, die Kälte, und die langen Nächte vertreiben. Die Teufel ziehen Anfang Dezember in großer Schar vereint durch die Dörfer und versuchen jedem Angst einzuflößen. Bei der Herstellung der Masken sowie der dämonenhaften Verkleidung hat die heutige Plastikgesellschaft nirgendwo eindringen können. Die Larven werden genauso wie früher aus Holz geschnitzt, es werden Schaffelle und Ziegenhörner und auch andere Gegenstände der bäuerlichen Welt verwendet. Überall erleben Kramusgehen, Perchten, Hexentreiben von Neuem eine Blütezeit. Weder die faschistischen Machthaber, noch Jahrzehnte zuvor die Aufklärung konnten verhindern, dass diese Bräuche aus dem Gedankengut der Bevölkerung verdrängt werden konnten.
Nikolaustag
Am 6. Dezember geht der heilige Nikolaus, begleitet von einem Engel, einem Krampus und einem Ankünder von Haus zu Haus. Dieser Brauch stellte immer schon ein Erziehungsmittel dar, da der Nikolaus den Kindern aufträgt, wo sie sich in Zukunft verbessern sollten, und das individuell zurechtgeschnitten auf jedes einzelne Kind. Nachher verteilt er zur Belohnung kleine Geschenke, wie Nüsse und Süßigkeiten. Gerade früher, als bei der Erziehung nicht mit Prügeln und anderen Strafen gespart wurde, stellte der Teufel den Gegenpart zum Nikolaus dar. Dieser wurde auf die verängstigten Kinder angesetzt um ihren Willen zu brechen. Es herrschte die Meinung vor, dass Mittel der Furchteinflößung bei der Erziehung gut täten und Wunder bewirkten. Der Nikolaus selbst tritt zumeisst mit einem langen weißen Bart, roter Tiara und einem langen Mantel, sowie einem Bischofsstab auf.
Silvester
Der Name der Ortschaft Schmieden leitet sich von einer "Schmiede" ab, welche sich dort befand. So wird auch heute noch zu Silvester eine alte Schmiede errichtet wo kleine geschmiedete Glücksbringer verkauft werden. Zum Jahreswechsel treffen sich die Einwohner des Dorfes zu einem Fests. Es werden Getränke und Speisen ausgeschenkt und Feuer zum Wärmen aufgestellt. Dann, um Mitternacht fahren die Skifahrer des Orts mit einer Fackel über die Abhänge hinunter. Dabei wird ein Feuer entzündet, welches die neue Jahreszahl darstellt. Es wird ein großes Feuerwerk entbrannt und Leuchtraketen in den Himmel geschossen.
Die heiligen Drei Könige
Den Drei-Königstag (6. Jänner) nannte man vor noch nicht allzu langer Zeit noch Perchtentag. Erst mit diesem Tag begann für die Bauern das Neue Jahr. Auch heute noch ziehen Kinder in schmucke Kleider gehüllt, in Prags von Haus zu Haus und tragen Lieder vor. Es wird hauptsächlich Geld für Not leidende Menschen gesammelt. Mit dem Eintreffen der Drei Könige werden mit geweihter Kreide die Anfangsbuchstaben der Könige (C+M+B) und die Jahreszahl an die Eingangstüren geschrieben. Dies soll Glück für ein ganzes Jahr bringen.
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