Die Dolomiten haben es aber schon immer den Menschen angetan, die sie zum ersten Mal zu Gesicht bekamen. Der berühmte Deutsche Maler und Kupferstecher Albrecht Dürer (1471 – 1528) begegnete den Dolomiten auf seiner Italienreise und hielt einige idyllische Ausschnitte davon auf Aquarell fest. Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) ließ sich ebenfalls auf seiner Italienreise im Jahre 1786 von den „Kalkalpen“ (damals hatten die Dolomiten noch nicht ihren heutigen Namen) inspirieren und beschrieb die „ungewöhnliche Farbe dieser Berge“ mit ihren „schönen, einzigartigen und schroffen Formen“.
Aus wissenschaftlichen Gründen wurde das kalkhaltige Gebirge im 18. Jahrhundert zu einem starken Anziehungspunkt für international bekannte Geologen, Mineralogen und Geographen. Sie entdeckten die Einzigartigkeit der Zusammensetzung dieses Gesteins und begannen die Entstehungsgeschichte der hell leuchtenden, teils rötlichen, zackigen und imposanten Felsmassive zu rekonstruieren.
Der Italiener Giovanni Arduino (1714 – 1795), der Franzose Déodat de Dolomieu (1750 – 1801) und der Deutsche Alexander von Humboldt (1769 – 1859) sind nur einige der namhaftesten Wissenschafter, die sich intensiv mit den Dolomiten befasst haben. Auf Déodat de Dolomieu geht die erste mineralogisch-chemische Analyse des Dolomitengesteins im Jahre 1791 zurück. Die Folge: das Gestein wird seitdem „Dolomit“ genannt. 1864 publizierten der englische Maler Josiah Gilbert und sein Landsmann, der Naturwissenschafter George Churchill, einen Reisebericht mit dem Titel: „The Dolomite Mountains“. Der Name „Dolomiten“ wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg populär, als das Gebiet an das Königreich Italien angeschlossen wurde.
Ende des 19. Jahrhunderts avancierten die Dolomiten zum Experimentierfeld für Pioniere in vielen Bereichen. Es waren zunächst englische Adelsmänner, welche die spitzen Zinnen, die schroffen Zacken und die steilen Wände der Dolomiten als Kletter-Eldorado entdeckten. Es folgten ihnen sogleich deutsch-österreichische Bergsteiger, die in den folgenden Jahrzehnten die wichtigsten Kapitel in der Geschichte des Alpinismus in den Dolomiten schrieben.
Bergsteigergrößen wie der Wiener Paul Grohmann (1838 – 1908), der Erstbesteiger der Tofana de Rozes und des Monte Cristallo bei Cortina d’Ampezzo, des Langkofels in Gröden und der Drei Zinnen in den Sextner Dolomiten, hat diese Berge geliebt und hat deren Bekanntheit durch zahlreiche Publikationen ausgeweitet. Sein österreichischer Landsmann Emil Zsigmondy (1861 – 1885), ebenfalls ein Kletterpionier in den Dolomiten, hat sie einmal als „köstlicher Edelstein im Alpenland“ umschrieben.
Der Grödner Bergsteiger, Schauspieler und Regisseur Luis Trenker, am Fuße des markanten Langkofels in St. Ulrich in Gröden geboren, hat seine Zuneigung den Dolomiten gegenüber in zahlreichen Filmen und Büchern zum Ausdruck gebracht. Durch ihn sind diese außergewöhnlichen Felsformationen erstmals einem sehr breiten Weltpublikum präsentiert worden.
Am treffendsten hat es jedoch die noch lebende Bergsteigerlegende Reinhold Messner auf den Punkt gebracht. Ebenfalls ein Sohn der Dolomiten, in Villnöss geboren und aufgewachsen immer mit Blick auf die gewaltige Geislergruppe, ist er zu einem der berühmtesten und erfolgreichsten Bergsteiger der Welt geworden. Er hat alle Gipfel bezwungen, die höchsten, widrigsten und schwierigsten der Welt – und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb, beschreibt er die Dolomiten wie folgt, „Sie sind zwar nicht die höchsten Berge der Welt, wohl aber die schönsten“.
Imposante Felswände, hohe, spitze Türme, unüberwindbare Überhänge und zerklüftete Grate – die Vielfalt der Formen, Farben und Täler ziehen nicht nur legendäre Alpinisten in ihren Bann, sondern auch andere Weltberühmtheiten. Le Corbusier (Schweiz-Frankreich 1887 – 1965), der wohl bekannteste zeitgenössischen Architekt, hat über die Dolomiten gesagt, sie seien „die schönste natürliche Architektur der Welt“.
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