Aus kleinen Ideen sind große Themen geworden. Im Hochpustertal hat man sich nie um modische, kurzlebige Trends gekümmert und sich stattdessen an der eigenen Naturlandschaft und der eigenen Identität orientiert. Das kulturelle Angebot ist deshalb stets authentisch geblieben ? das ist das Erfolgsrezept.
Hier wurden aus Jahrhunderte altem Brauchtum und viel Gefühl im Einklang mit Bevölkerung und Landschaft langfristige und nachhaltige Konzepte entwickelt. Das Fremdenverkehrsmuseum, die Sammlungen aus der Umgebung, das internationale Chörefestival und die Musik- und Brauchtumsgruppen im Ort zeigen diese vielfältige Lebendigkeit.
An diesem schönen Ort sind einige Gebäude besonders hervorzuheben. Zum einen sind es das Rathaus und das Haus Wassermann, auf der anderen Seite Kirchen und Kapellen wie die Pfarrkirche zum Hl. Stephanus mit Annakapelle und Totenkapelle oder die Spitalkirche zur Hl. Dreifaltigkeit. Man kann es sehen und spüren: im Hochpustertal ist die Religion Ursprung für Brauchtum und Kultur. Zum Beispiel:
Der Kirchtag, in Niederdorf der 3. Sonntag im Oktober, ist der Jahrestag der Kirchweihe und wird in der Kirche besonders festlich gestaltet. Auch weltlich wird gefeiert: Eine Menge Zeit wird für das Kochen und Zubereiten der Kirchtagsspeisen verwendet - das Menü sah beispielsweise im Pustertal so aus: Nudelsuppe mit Würstchen, Knödel, ?Bratl? (Schöpsernes oder Schweinernes) und schließlich dann die ?Niggilan?, die mit Zucker- oder Honigwasser übergossen und mit Mohn bestreut wurden. Der Kaffee mit ?Ofenmus? und Kirchtagskrapfen oder ?Anisschnitten? bildeten in der Regel den Abschluss. Besonders viel Kunst und Geschicklichkeit erfordert das Zubereiten und das Backen der ?Kirchtagskrapfen?.
Ein heidnischer Brauch der bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben ist, ist das Aufstellen des ?Kirchtagmichels? (Kirschtamichl bzw. Kirchtamichl). Wie alt dieser Brauch ist, kann man nicht genau sagen. Meist am Freitag sammeln sich die jungen Burschen (Bauernjugend) in einer Scheune, um den Kirchtamichl herzustellen. Dabei wird eine lebensgroße Puppe mit Stroh gefüllt, mit weißem Hemd, einer Lederhose und Joppe bekleidet. Schließlich wird dem ?Michl? ein breitkrempiger Pustertalerhut mit Feder aufgesetzt. In die eine Hand wird ihm ein Kirchtagskrapfen, in die andere eine Weinflasche gegeben. Am Samstag wird nun dieser Michl an die Spitze des Baumes, der vorher entrindet und mit Seife eingeschmiert wurde, gebunden. Unter buntem Treiben, Böllerkrachen und Ziehorgelspiel wird dann der Baumstamm aufgestellt und anschließend während der Nacht bewacht, damit er nicht von Burschen aus der Nachbarschaft gestohlen wird. Sollte das Stehlen gelingen, wäre das eine große Schande für die Betroffenen. Am späten Nachmittag des Sonntages wird der Baumstamm wieder ausgegraben und der Michl abgenommen (in früheren Zeiten von Gasthaus zu Gasthaus geführt und dann begraben). Der Stamm wird meist versteigert und der Erlös zur Kostendeckung oder für einen guten Zweck verwendet.
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