In den ersten Tagen des neuen Jahres kommen die "Heiligen Drei Könige" (die Sternsinger) und besuchen alle Häuser und Familien. Singend bringen sie die Kunde von den Weisen aus dem Morgenland. Beim Verlassen des Hauses schreiben sie mit geweihter Kreide ihr - C+M+B, und die Jahreszahl über die Haustür. Vielfach werden die Buchstaben fälschlicherweise als Anfangsbuchstaben für die Namen Caspar, Melchior und Balthasar (die Namen der drei Weisen) gedeutet, in Wirklichkeit steckt hinter diesen drei Buchstaben ein frommer Spruch, nämlich "Christus Mansionem Benedicat", d. h. "Christus segne dieses Haus". Die Leute beschenken die Sternsinger, das Gesammelte wird vor allem für die Mission verwendet.
Vom Unsinnigen Donnerstag bis zum Faschingsdienstag finden verschiedene Veranstaltungen statt. Vor allem die Kinder nutzen diese Zeit zum Verkleiden und ausgelassenem Toben und Treiben. Ein Geheimtipp sind die köstlichen Faschingskrapfen aus Hefeteig, mit Marillenmarmelade gefüllt und im heißen Öl gebacken.
Zur Zeit der Französischen Revolution wurde auch Südtirol in den Sog der Erschütterungen Europas gezogen. Diese Jahre waren für die Tiroler schrecklich: mit ohnmächtiger Wut erlebte das Volk Beschlagnahmungen und Übergriffe. Da flammte offener Widerstand in der Bevölkerung auf und unter der Führung von Andreas Hofer, dem Sandwirt, wurde das Land verteidigt. Am 20. Februar, dem Todestag von, Andreas Hofer, gedenkt Südtirol jährlich dem Freiheitskämpfer, der im Jahre 1810 in der Festung von Mantua zum Tode verurteilt wurde.
Der Palmsonntag leitet die Karwoche ein. Bereits in den Familien hat der Palmsonntag eine gewisse Bedeutung: wer nämlich an diesem Tag als letzter aus dem Bette steigt, wird als "Palmesel" bezeichnet. Schon vorher haben sich die Kinder aus der Schule einen großen "Palmbesen" aus Palm- und Olivenzweigen angefertigt und mit bunten Bändern geschmückt - dieser wird am Palmsonntag zur Weihe in die Kirche gebracht. Der geweihte Besen wird dann am Gartenzaun angebunden und dort bis Christi Himmelfahrt belassen. Bei Gewitter und Blitzgefahr im Sommer werden dessen Zweige im Herd verbrannt, wodurch das Gewitter abgewendet werden soll. Ein Öl- und ein Weidenzweig werden auf das Kreuz im Herrgottswinkel in der Stube aufgesteckt.
Der Donnerstag in der Karwoche wird als "Gründonnerstag" oder "Weichnpfinsta" bezeichnet. Nach altem Brauch werden an diesem Tag die Ostereier gefärbt. Die Eier, die die Hennen am Gründonnerstag legen, kommen in die Osterweihe.
Am Karfreitag (Klagefreitag) wird in Niederdorf in der "Spitalkirche" das Hl. Grab aufgestellt, in dem der tote Christus seine Grabesruhe hält. Rund um das Grab werden farbige Glaskugeln gestellt, die mit Wasser gefüllt werden. Brennende Petroleumlämpchen oder Kerzen erleuchten die Glaskugeln und tauchen das Grab und den "toten Christus" in ein magisches Licht. Das Niederdorfer Ostergrab gilt als eines der schönsten und größten in Südtirol.
Am Karsamstag wird der Osterbaum aufgestellt. Dazu werden Weidenzweige in eine Vase gestellt, die mit ausgeblasenen und bemalten Eiern, Kunst-Küken, hölzernen Osterhasen und Maschen verziert werden.
Am Ostersonntag wird der Osteraufschnitt in die Kirche gebracht und vom Priester geweiht: Schinken, Speck, Würste, gefärbte Eier, Kren, aber auch Brotkränze, Kuchen, Osterbrot werden dabei in einen Korb, den "Weichnkorb", gegeben. Die geweihten Speisen kommen beim Mittagessen am Ostersonntag auf den Tisch.
Zu Ostern erhalten die Kindern von ihren Paten das "Toitnzoig" (Patengeschenk): bunte Ostereier, Osterhasen aus Schokolade, ein Kranzl aus süßem Brotteig und oft auch etwas zum Anziehen.
Am Ostersonntag, nach der Messe, begibt sich die Bevölkerung auf den Von-Kurz-Platz, wo das traditionelle Preisguffen stattfindet. Dabei werden gefärbte Eier - zuerst Spitz gegen Spitz, dann die runden Seiten des Eies - gegeneinander geschlagen. Dessen Ei nicht gebrochen wird, ist Sieger.
Das Ei verkörpert das Geheimnis des Lebens. Schon immer, besonders jedoch zur Osterzeit nach den langen Fastenwochen, spielte das Ei eine wichtige Rolle. Es diente als Speise, als Symbol für Leben, Reinheit, Fruchtbarkeit, als Naturalabgabe für Schulden und immer wieder als kleines, kunstvoll-verziertes, liebevolles Geschenk. Um so wichtiger war es, beim Preisguffen viele Eier zu gewinnen. Nach dem Preisguffen gehen die Kinder nach Hause, wo sie in ihren Gärten die Nester des Osterhasen suchen.
Auch am kommenden Ostersonntag ab 10.00 Uhr wird das Preisguffen am Von-Kurz-Platz stattfinden. Die Eier können direkt am Dorfplatz gekauft werden: die Bauernjugend aus Niederdorf färbt sie und kennzeichnet sie mit den Buchstaben SBJ, damit ja nicht geschummelt werden kann - den Siegern winken schöne Sachpreise.
Im Laufe des Jahres werden in Niederdorf 4 Prozessionen abgehalten: Um Pfingsten jene mit Bachsegen, um Fronleichnam und Herz-Jesu die Prozession mit 2 Evangelien und am 2. Sonntag im Oktober die Erntedankprozession. All diese Prozessionen werden anschließend an den Gottesdienst am Vormittag abgehalten. Dabei beteiligt sich die gesamte Dorfbevölkerung mit verschiedenen Abordnungen und Vereinen wie Musikkapelle, Freiwillige Feuerwehr oder Schützenkompanie. Das Mittragen von Heiligen-Statuen und Fahnen wird von den Trägern als große Ehre empfunden.
Am Herz-Jesu-Sonntag werden in ganz Südtirol die traditionellen Bergfeuer angezündet. Mancherorts werden auch kunstvolle Motive ausgesteckt und abends angezündet oder es werden die Häuser mit schönen Transparentbildern beleuchtet.
Am "Hoch unser Frauen Tag" 15.August, dem "Ferragosto-Tag", geht es in Niederdorf hoch her. Ein lustiges Treiben für jung und alt, ist die Konfettischlacht beim Musik-Pavillon von Niederdorf. Der herkömmliche Brauch des "Confetti- und Blumenfestes" geht auf das Jahr 1923 zurück und wurde vermutlich von italienischen Gästen nach Tirol gebracht. Noch heute erfreut sich das bis zum heutigen Tag erhalten gebliebene und in Südtirol wohl einzigartige Fest großer Beliebtheit. Mit einem Lampionsumzug für Kinder, angeführt von einer Reitergruppe und begleitet von der Musikkapelle Niederdorf, wird um 20.30 Uhr die Veranstaltung eröffnet. Anschließend gibt es ein Konzert der Musikkapelle am Pavillon.
Traditionsgemäß gilt der 2. Sonntag im Oktober als Erntedankfest. An diesem Sonntag dankt die Bevölkerung Gott für die reiche Ernte. Nach dem Gottesdienst wird die Erntedankprozession abgehalten. Dabei wird die Erntedank-Krone (aus Ähren angefertigt), mitgetragen.
Das Fest des Heiligen Martin wird am 11. November gefeiert. Im Kindergarten und in der Grundschule werden farbenfrohe Laternen gebastelt. Zusammen mit ihren Familien ziehen die Kinder am Martinstag bei hereinbrechender Dunkelheit mit ihren Laternen durch die Straßen und singen fröhliche Lieder, die den Hl. Martin und die Laternen zum Inhalt haben. Der Umzug endet in der Pfarrkirche, wo die Kinder das Martinsspiel aufführen.
Der Hl. Nikolaus war Bischof aus Mira in Kleinasien. Seine Gebeine wurden von Händlern entwendet und nach Bari gebracht, wo zu seinen Ehren eine Basilika errichtet wurde. Er ist Schutzpatron der Stadt Bari, von Russland und Griechenland, sowie der Seefahrer und Kleinkinder. Dies ist einer der Gründe, warum in Südtirol der 6. Dezember von den Kindern mit Freude erwartet wird. Der Hl. Nikolaus zieht von Haus zu Haus, um Süßigkeiten und kleine Geschenke an die Kinder zu verteilen. Dabei wird er von seinem Knecht Ruprecht und einem Engel begleitet. Er führt auch das "goldene Buch" mit sich, wo alle guten Dinge und kleine Verfehlungen der Kinder notiert sind. Den braven Kindern wird ein rotes Säckchen mit Süßigkeiten überreicht, die etwas weniger braven müssen sich mit einer aus trockenem Reisig gebundenen Rute begnügen.
Am Vorabend ziehen die Burschen des Dorfes als Krampusse verkleidet durch die Straßen. Eingehüllt in Schafspelze und mit großen, kunstvoll geschnitzten Masken auf ihren Köpfen. Die mit Glocken behangenen Gürtel sorgen für einen unheimlichen Lärm, die Ketten und Ruten dienen zur Abschreckung und jagen den Kleinen Angst ein.
Früher wurde der Hl. Nikolaus vom Krampus begleitet, Symbol für das Böse im Menschen. Die damals verteilten Säckchen aus Krepppapier enthielten meistens Mandarinen, Nüsse und einige Kekse. Für die damalige Zeit sehr geschätzte Geschenke, da Mandarinen nicht für jeden erschwinglich waren. Die Lebkuchen waren mit Zuckerguss überzogen und mit buntem Granulat verziert.
Alle zwei Jahre organisiert die Krampusgruppe Niederdorf "Luzifer Roat Stankuchl" ein Krampusschaulaufen, wo sich zahlreiche Krampusgruppen aus dem Pustertal, dem restlichen Südtirol aber auch aus Osttirol beteiligen. Die Niederdorfer Krampusgruppe ist übrigens die grösste Südtirolweit.
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