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Pragser Sagenwelt

"Wer hat nicht schon gehört von den geheimnisvollen Geschichten, die sich um die Dolomitenberge ranken, wer kann sich wehren gegen die Eindrücke, die der Anblick dieser himmelwärts strebenden Zacken bewirkt. Keine Gebirgslandschaft in den Alpen lässt der Phantasie derart freien Lauf wie die bizarr wechselnden Formen und Farben dieser urwüchsigen Felsformationen."
Peter Kübler

 

Die Sage von den besoffenen Pragsern

Die Spitzköfel neigen sich nach hinten, nach links und nach rechts. Im Volksmund heißen sie "die besoffenen Pragser". Prags war früher eine Alm. Unter dem Schwarzberg in der Grünwaldhütte saßen einige Pragser beim Schnapse. Da rief einer: "Wollen wir net's Grünwaldmandl rufen. Grünwaldmandl, kimm und sauf mit!" Nichts geschah. Da Stellte er sich unter den schwarzen Schlund und schrie: "Grünwaldmandl, traust di net?" Auf einmal kollerte und polterte es über den Kamin herunter und schon stand das Mandl mitten auf dem Tisch. Da sagte das Mandl: "Ihr Sauflümmel, ihr habt mich verspottet!" Das Mandl klatzschte auf sein speckiges Lederhöschen und jauchzte wild: "Aufi, hui, aufi!" Oben am Sattel, vor der Hochalpe ließ er sie schlafen, auf immer. Sie stehen heute noch oben, verdreht, verkrümmt, verstaucht und verbogen. Erzählt von den Schülern der Grundschule Prags.

Spitzköfel

Die Sage vom Bärenbad

Vor dem Jahre 1000, da Prags damals Prages geheißen, noch eine Alpe war, gab es dort auch noch Bären. Diese brachen in die Schafherden ein und rissen jeden Sommer eine große Anzahl. Ein kleiner See, den den Schafen als Tränke diente und in dessen Nähe die Tiere vor der Sommerhitze Schatten suchten,war bald das Ziel der Bären. Sie kamen immer von den Wäldern unterm Herrstein herunter, weshalb der Hang über dem See "Bärenleite" genannt wurde. Die fHirten waren sonst nicht feige. Eins auf den "Pelz brennen" konnten sie damals nicht. So lauerten sie dem Schafmörder mit ästigen Lärchenknüppeln auf. Wenn ein Bär sich am Blut der gerissenen Schafe vertrunken hatte, bekam er einen Bärendurst. Er trottete dann jedes Mal zum kleinen, kreisrunden See und schlürfte gierig daraus. Als er wieder einmalin die Herde eingebrochen war, verdroschen die Hirten ihm das Fell, als wäre es eine Dreschtenne. Der Bär war erstaunt. Dann richtete er sich hoch auf und fuchtelte mit den schweren Tatzen. Die vorderen wichen zurück, die anderen gerbten noch seinen Rücken. Der Bär drehte sich im Kreise. Er brummte, er kreischte vor Schmerz. Ächzend schleppte er sich zum See. Dort legte er sich hinein, denn seine Wunden brannten fürchterlich. Jeden Tag badete er im See, bis seine Wunden wieder heil waren. Da fiel den Hirten etwas ein. Der See lag in einem tiefen, runden Loch. So groß war er ja, dass ein paar Bären darin baden konnten. Sie bauten genau gegenüber der Bärenleite eine Steinlawine auf, ganz locker. Als der Bär wiederum kam, ein Bad zu nehmen und sich im Wasser wälzte, ließen die Hirten die Steinlawine herunterrollen. Der schwerfällige Kerl konnte sich nicht rechtzeitig retten und ertrank schließlich im See. Seitdem hieß er Bärensee oder Bärenbad.

 

Die Sage vom Pragser Wildsee

In grauer, ferner Vorzeit hausten die Wilden in den Bergen. Nicht, dass sie bösartig waren, nur ihre Gestalten waren wie die Berge. Es gab damals viel Gold in den Steinen. Die Wilden liebten das Glänzen des Goldes. Dieser Glanz machte ihre Gemüter hart. Später kamen Hirten ins Tal und weideten ihr Vieh auf blumigen Matten, die sich vor die Berggipfel hinbreiteten. Die Wilden zeigten ihnen Gold. Manchmal schenkten sie ihnen auch goldene Ringe und Ketten, die sie in den Bergen schmiedeten. Auch die Hirten machte der Glanz des Goldes gierig. Sie stahlen den Wilden Gold, wann sie nur konnten. Es kam zu Zank und Streit. Die Wilden waren stärker, die Hirten schlauer. Damit die Hirten nicht mehr heran kamen zu den Bergen, rissen die Wilden aus der Tiefe Quellen auf. Es entstand zwischen den Bergen und einige Meter an den Felswänden hinauf ein großes Wasser. Dadurch wurde das Tal der Hirten abgeriegelt von den Bergen. Die Hirten kamen nicht mehr an das Gold heran. Da die Wilden den See geschaffen haben, wurde er Wildsee genannt. Und weil das Tal der Hirten Pragser Tal hieß, heißt der See "Pragser Wildsee".

 

Die Sage vom Hirschbrunnen

In damaliger, alter Zeit gab es in Prags auch Hirsche. Ein außergewöhnlich schöner Hirsch wanderte durch die Wälder von Altprags. Er wurde von den Jägern verfolgt, die ihn aber nur verwundeten. Daraufhin ließ er sich eine Zeitlang nicht mehr blicken. Als er wieder auftauchte, schoss ein Jäger wieder auf das Tier und wieder geschah das gleiche. Als der Hirsch, der jedes Mal gesund und heil aufkreuzte, ein drittes Mal mit einem schweren Streifschuss ins Walddickicht zurückhinkte, folgte ihm der Schütze. Da sah er, wie der verwundete Hirsch sich in einer klaren Quelle, die aus dem Waldboden quoll, badete. Man machte hierauf Proben mit dem Wasser an kranken Menschen. Da fand man heraus, dass die Quelle große Heilkraft besaß. Man nannte sie "Hirschbrunnen". Auch das Wappenbild von Prags, der Hirsch an der Quelle, bezieht sich auf die bekannte uralte Volkssage vom Hirschbrunnen.

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